corona und angst

Für Menschen mit Angsterkrankungen, Depressionen und Traumafolgestörungen ist die

sog. Corona-Krise eine besondere Herausforderung.

Stabilisierende Strukturen sind während des Lockdowns weggebrochen, Psychotherapien fielen aus oder fanden nur noch per Videokonferenz statt, Kontaktverbote verschärften möglicherweise ohnehin schon bestehende Tendenzen zur Isolation und Einsamkeitsgefühle.

Eine medial aufgeheizte Panikstimmung erzeugte in dieser Gesellschaft in kürzester Zeit eine Atmosphäre von Angst, Denunziantentum, Aggression, Verboten, Pflichten und Zwängen.

Bestens geeignet, um bereits bestehende psychische Erkrankungen zu verschlimmern.

Das absolute Primat des physischen Überlebens, das von Regierungsseite und der Presse mantraartig wiederholt wurde, ließ seelische-geistige Gesundheit völlig außer acht.

Kollateralschäden des Lockdowns wie ein massiver Anstieg von psychischen Erkrankungen bzw. eine Verschlimmerung bestehender psychischer Erkrankungen wurden und werden billigend in Kauf genommen. Eine Überforderung des Gesundheitssystems durch den signifikanten Anstieg psychischer Erkrankungen, die schon lange vor Corona deutlich wurde, und der damit notwendigen adäquaten Versorgung psychisch kranker Menschen, wird nicht diskutiert und scheint keine Rolle zu spielen - ganz anders als die immer wieder zitierte Überforderung des Gesundheitssystems durch Corona. Dass Menschen auch an psychischen Erkrankungen sterben, scheint irrelevant.

 

Hinzu kommt, dass Menschen mit Angst- und Panikstörungen sowie mit Traumafolge-störungen oft nicht dazu in der Lage sind, Masken zu tragen. Bei vielen von ihnen löst das Tragen einer Maske Panikattacken bis hin zum Kreislaufzusammenbruch aus. Menschen mit Traumafolgestörungen erleiden flashbacks (akutes Wiedererleben von traumatischen Situationen) und Dissoziationen (Auseinanderfallen von Körper, Seele und Geist).
Für Menschen, die durch maskierte TäterInnen Gewalt erlitten haben, ist bereits das ständige Sehen-Müssen von durch Masken verhüllte Gesichter ein Dauertrigger.

Die eingeführte Maskenpflicht hat viele von ihnen vor eine kaum zu lösende Situation gestellt.

Wer sich mit einem ärztlichen Attest von der Maskenpflicht befreien lässt, was möglich und sinnvoll ist, muss sich bei jedem Einkauf und bei jeder Fahrt im öffentlichen Personennahverkehr mit Anfeindungen auseinandersetzen. Wer sich dazu nicht in der Lage fühlt, zieht sich entweder ganz aus der Öffentlichkeit zurück, (was depressive Tendenzen deutlich verschlimmern kann), oder zwingt sich eine Maske auf und zahlt den hohen Preis akuter Krankheitsverschlimmerung.

Wer von der Maskenpflicht befreit ist, ist durch den Rechtfertigungsdruck im öffentlichen Raum permanent mit der eigenen psychischen Erkrankung und mit der damit ohnehin bereits verbundenen Stigmatisierung konfrontiert.

Leider ist die Ausnahmeregelung von der Maskenpflicht nicht adäquat durch die Landesregierungen und die Presse kommuniziert worden.

 

Wer infolge einer Maskenbefreiung Diskriminierungen erleidet, kann sich an die Antidiskriminierungsstelle des Bundes wenden:

https://www.antidiskriminierungsstelle.de/DE/ThemenUndForschung/Corona/Corona_node.html

 

Ich schreibe in meinem politischen Blog u.a. über die Kollateralschäden des Lockdowns:
https://www.gydecallesen.de/politischer-blog/

 

Sie können mir Ihre Erfahrungen als Mensch mit einer psychischen Erkrankung im Rahmen der Corona-Krise schreiben. Ich versuche, den Betroffenen eine Stimme zu geben.
Mail: lebensraum@gydecallesen.de